Wer bis jetzt noch nicht begriffen hat, wohin die digitale Datensammelwut führen kann, wird nun mit einem greifbaren Beispiel frei Haus versorgt.
Google's helle Köpfe haben sich was nettes einfallen lassen, um dem sonst so drögen Wetterbericht noch etwas mehr Pepp zu verleihen. Mit ihrem neuen Dienst
Flu Trends liefern sie dem gelangweilten Medienkonsumenten die Grippeverbreitung im Land auf dem Silbertablett.
Ok, halt... stop! Datensammelwut, Panik. Wo ist jetzt genau das Problem?
Jetzt weiß man doch sofort, wo die Kacke am Dampfen ist und man kann vorsorglich - tja, was denn eigentlich? Am besten gleich zu Hause bleiben? Sich mit Vitaminen zudröhnen? (die amerikanischen Pillenhersteller bekommen schon Wunde Hände vor reiben) Grandios!
"Datenschützer sind Spaßbremsen"
Ich weiß, Datenschutz ist ein trockenes, oftmals stinklangweiliges Thema. Aber nicht alles im Leben ist mit Spaß verbunden. Deshalb... face the facts:
Zunächst mal die besagte Datensammelwut. Google weiß, was man sucht. Klar, man schreibt es ihnen ja auch in das kleine Eingabefeld. Wie sollte die Suchmaschine auch sonst funktionieren?
Nur - Google merkt sich, was, wann, von wem, von woher gesucht wurde. Müsste nicht sein, ist aber so.
Gut, die Daten sind da. Was tun damit? Klar! Werbung, Nutzungsverhalten blabla. Und natürlich tolle Grippeverbreitungskarten. Dazu gleicht man gesammeltes mit anderen Datenbeständen ab (Data-Mining) und bastelt daraus was total cooles neues:
Während der letzten Grippe-Saison 2007/2008 hat Google mit der zuständigen Stelle des CDC (Centers for Disease Control) Daten abgeglichen. Google und CDC kamen gemeinsam zu dem Schluss, dass es eine konsistente und starke Korrelation zwischen den Suchanfragen und den Grippe-Daten der CDC gibt.
Golem.de
Nicht nur Grippe
Nun mag man über Sinn und Unsinn einer durch Surf-Verhalten untermauerten Grippeverteilungsstatistik ausgelassen streiten können. Wie gesagt, ich sehe keinen großartigen Nutzen darin, sondern zum einen eher ein Instrument, mit Angst und Panik einem oder mehreren Industriezweig(en) erhöhten Umsatz zu bescheren, zum anderen noch mehr Möglichkeiten für Arbeitgeber, verallgemeinerte Personenprofile für potentielle neue Mitarbeiter zu erstellen, aufgrund deren sie sich dann für oder gegen sie entscheiden. Die Liste kann beliebig lange fortgeführt werden.
Bedenklich ist aber, dass Google eben nicht nur Suchergebnisse zum Thema Grippe regionalisiert, gar personalisiert vorliegen, sondern auch zu jeglichen anderen Themengebieten.
Diese mögen aus ethischen Gründen teilweise der Allgemeinheit sogar verborgen bleiben (was wiederum Zensur ins Spiel bringt). Aber sie sind verfügbar und werden genutzt. Nicht vom Wald-und-Wiesen-Internetsurfer, aber von Stellen, die diese Informationen letztendlich zum Nachteil des einzelnen verwenden können: Versicherungen, Krankenkassen, Arbeitgeber, Ämter, um nur ein paar wenige zu nennen.
Was tun?
Die Entwicklung zu lenken oder gar aufzuhalten ist alles andere als trivial und wahrscheinlich gar nicht oder nur teilweise möglich. Aber man kann dem Datenschlund einfach keinen (aussagekräftigen) Input mehr liefern. Mit dem Verbieten von Cookies für google* Domains (also google.* sowie googlesyndication.com) ist schon viel erreicht. Für die direkte Google-Suche stehen vorgeschaltete Proxys wie Scroogle zur Verfügung (sogar SSL-verschlüsselt), wodurch die bei Google ankommenden Anfragen stets die selben IPs des Proxy-Pools tragen.
Durch diese Vorkehrungen, die natürlich auch für Suchmaschinen anderer Anbieter getroffen werden sollten, dürfte noch nicht einmal der Surf-Komfort eingeschränkt werden.