Nachdem ich ja beim Release der Entwicklerversion KDE 4.0 schon fast vor Neugier geplatzt war, habe ich mich mit Erscheinen der Version 4.2 endlich getraut.
Da ich mittlerweile keine Bastlerbüchse mehr besitze, die KDE 4 meistern könnte, bestätigte ich kurzerhand die magische Zeile
apt-get purge kde*
auf meinem 64-bit-Sidux-betriebenen Produktivsystem mit Enter. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt ^^
KDE 3 und KDE 4 parallel funktioniert nämlich nicht.
Der Artikel im inoffiziellen Siduxblog machte mir Mut und mit Hilfe des Wiki-Artikels gestaltete sich der Wechsel recht einfach.
Was soll ich sagen - just WOW!
Ich hatte mir ja hin und wieder eine SuSE-Live CD mit aktuellem KDE 4 Snapshot angesehen, aber mit so einem Live-System (und SuSE) kommt ja weniger Freude auf. Auch die proprietären nvidia-Grafikkartentreiber machten Plasma seinerzeit zur Diashow. Doch die wurden mittlerweile ebenfalls überarbeitet und Ordnerscrollen macht nun richtig Laune.
Anlaufschwierigkeit hatten auf meinem System lediglich neue, auf Phonon zugreifende Tonabspieler wie Amarok 2 und JuK, denen Anfangs kein Ton zu entlocken war. Grund dafür war letztendlich das nicht vorhanden gewesene Xine-Phonon-Backend. Danke an zulu9 für die schnelle Diagnose.
Zu Beginn noch etwas unbeholfen, arbeite ich nun den zweiten Tag schon fast wieder routiniert am schönsten Desktop, den ich je unter Linux zu Gesicht bekommen habe. Mal abgesehen von der Dauerbaustelle Enlightenment E17, die ja leider nur zu Demozwecken taugt, nicht aber für den Produktiveinsatz.
Die neue Kontrollleiste bedient sich geringfügig anders. So bedarf es etwas an Entdeckergeist, um herauszufinden, wie sich Objekte auf der Leiste verschieben lassen. Hierzu klicke man rechts auf das Plasmasymbol am rechten Ende der Leiste. Ist die schwarze Leiste ausgeklappt, lassen sich die Objekte frei auf der eigentlichen Leiste verschieben, bis die schwarze Leiste wieder geschlossen wird.
Ein weiteres hübsches Gimmick sind die Composite Desktop-Effekte, die mittlerweile weniger dick auftragen und tatsächlich zur Produktivität beitragen. Mit einer Tastenkombination lassen sich alle Desktops neben- bzw. übereinander darstellen, um bequem zum gewünschten Desktop wechseln zu können. Gabs zwar schon vorher, aber fühlt sich nicht so "aufgesetzt" an, wie seinerzeit das Compiz-/Beryl-Projekt.
Noch ist KDE 4.2 nicht vollständig in den Debian experimental-Repos. Es fehlt zum Beispiel noch der Editor Kate und die KDEPIM-Suite ließ sich wegen fehlenden Abhängigkeiten auch noch nicht installieren (29.01.2009). Auch K3b, ein Brennprogramm für optische Datenträger, ist generell für KDE 4 noch nicht verfügbar. Allerdings laufen KDE 3 Programme auch unter KDE 4. Somit ist man in der Hinsicht nicht eingeschränkt.
Als stets an neuen GUI-Innovationen interessierter Mensch bin ich von KDE schlicht begeistert. Aus Gewohnheit nutze ich zwar viele neue Features noch nicht, speziell was die Ordneransichten angeht, aber ich lasse mich gerne inspirieren.
Mein Dank an die KDE-Entwickler... habter gut gemacht! ^^